Was sind Adaptogene?
Adaptogene sind natürliche Substanzen, meist pflanzlichen Ursprungs, die die Fähigkeit des Körpers verbessern, sich an unterschiedliche Belastungen anzupassen, und das Gleichgewicht der Körperfunktionen, die sogenannte Homöostase, unterstützen. Im Unterschied zu klassischen Stimulanzien wie Koffein, die kurzfristig Energie liefern, wirken Adaptogene regulierend und fördern die Selbstanpassung des Körpers, ohne dass eine Gewöhnung oder Abhängigkeit entsteht.
Der Begriff „Adaptogen“ wurde in den 1940er Jahren vom russischen Wissenschaftler Nikolai Lazarew geprägt. Er stellte fest, dass bestimmte Pflanzen die Widerstandskraft des Körpers gegenüber körperlichen und psychischen Belastungen erhöhen. Diese Erkenntnisse wurden später insbesondere in der sowjetischen Raumfahrtmedizin genutzt, um die Belastbarkeit von Astronauten zu verbessern.
Wo kommen Adaptogene vor?
Adaptogene stammen aus Pflanzen und Pilzen, die seit Jahrhunderten in der chinesischen Medizin, Ayurveda oder europäischen Kräutertraditionen verwendet werden. Heute sind sie als Tee, Extrakt oder Nahrungsergänzungsmittel verfügbar und helfen dem Körper, besser mit Stress, Müdigkeit und Belastungen umzugehen.
Bekannte Adaptogene, ihre Herkunft und Wirkung:
- Reishi (Ganoderma lucidum) – Reishi ist ein Heilpilz, der auf Laubbäumen in feuchten Wäldern Asiens wächst. Schon seit über 2.000 Jahren nutzen Menschen ihn in der chinesischen Medizin. Reishi kann das Immunsystem stärken, die Stressresistenz erhöhen und die Regeneration des Körpers unterstützen. Studien zeigen außerdem antioxidative und entzündungshemmende Effekte. Besonders Herz, Leber und Stoffwechsel profitieren von diesem vielseitigen Pilz.
- Schisandra (Schisandra chinensis) – Die roten Beeren der Schisandra-Pflanze wachsen in Nordchina und Russland und werden dort seit Jahrhunderten als natürliche Unterstützung für Ausdauer und Leistungsfähigkeit eingesetzt. Schisandra hilft, die Leber zu schützen, oxidativen Stress zu reduzieren und das Herz, den Stoffwechsel und das Nervensystem zu stärken. Sie wird deshalb oft als „körperliches und mentales Kraftpaket“ bezeichnet.
- Triphala – Triphala ist eine klassische ayurvedische Kräutermischung aus drei Früchten: Amalaki, Haritaki und Bibhitaki. Sie wirkt mild abführend, unterstützt die Verdauung und fördert ein gesundes Darmmikrobiom. Außerdem wirkt Triphala antioxidativ, entzündungshemmend und kann das Immunsystem unterstützen – ein echtes Rundum-Paket für den gesamten Körper.
- Ashwagandha (Withania somnifera) – Ashwagandha ist ein weiteres Adaptogen aus der ayurvedischen Medizin, das beruhigend auf das Nervensystem wirkt, Stress reduziert und die Schlafqualität verbessern kann.
Neben diesen Pflanzen existieren viele weitere Adaptogene, die in unterschiedlichen Regionen der Welt seit Jahrhunderten traditionell verwendet werden.
Wie wirken Adaptogene?
Adaptogene wirken anders als einfache Stimulanzien oder Medikamente: Sie zielen nicht auf einen einzelnen Prozess ab, sondern unterstützen den Körper gleichzeitig auf mehreren Ebenen. Sie helfen, die Selbstregulation des Körpers zu stärken, damit dieser sich besser an Stress, Belastung oder Müdigkeit anpassen kann.
Dies geschieht auf verschiedenen Wegen: Adaptogene können die Empfindlichkeit von Rezeptoren verändern, Signalwege modulieren und die Kommunikation zwischen Zellen verbessern. Sie wirken also wie ein sanfter Regler, der das Gleichgewicht im Körper fördert, statt kurzfristige Effekte zu erzwingen.
Zusammengefasst entfalten Adaptogene ihre Wirkung vor allem auf diese zentralen Körpersysteme:
- Stressachse (HPA-Achse) – Sie helfen, die Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol auszugleichen, sodass der Körper weniger stark auf Belastungen reagiert und Energie effizienter genutzt wird.
- Immunsystem – Adaptogene können das Immunsystem stärken, wenn es geschwächt ist, und beruhigen, wenn es überaktiv reagiert. Dadurch unterstützen sie die Abwehrkräfte und helfen, Entzündungen zu regulieren.
- Zellschutz und Organe – Viele Adaptogene besitzen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, die Zellen und Organe wie Leber, Herz und Gehirn schützen und ihre Regeneration fördern.
- Gehirn und kognitive Funktionen – Adaptogene können Konzentration, Aufmerksamkeit und Gedächtnis verbessern, insbesondere unter Stress. Sie wirken auf Neurotransmitter, die Stimmung, Antrieb und Nervensystem-Funktionen steuern.
Auf diese Weise wirken Adaptogene netzwerkartig und unterstützen den Körper umfassend dabei, sich an Belastungen anzupassen – sanft, vielseitig und nachhaltig. Zahlreiche Studien bestätigen diese positiven Effekte, zum Beispiel auf Stressregulation, geistige Leistungsfähigkeit, Müdigkeitsreduktion und Immunfunktion. (u.a. Panossian et al., 2020; Todorova et al., 2021; Sutopo et al., 2025).
Praktische Anwendung
Adaptogene lassen sich leicht in den Alltag integrieren, ganz ohne komplizierte Rituale. Ob als Tee, Pulver, Extrakt oder Kapsel – wer regelmäßig Adaptogene einnimmt, kann die Stressresistenz stärken, Energie und Ausdauer unterstützen und das allgemeine Wohlbefinden fördern.
Dabei gilt: Adaptogene entfalten ihre Wirkung am besten in Kombination mit einem gesunden Lebensstil. Dazu gehören:
- Bewegung: Schon kleine, regelmäßige Einheiten wie Spaziergänge, Yoga oder leichte Sportarten helfen, den Körper widerstandsfähig zu halten.
- Schlaf: Ausreichender und erholsamer Schlaf gibt dem Körper Zeit, sich zu regenerieren und die Stressachsen auszugleichen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit den Nährstoffen, die Adaptogene in ihrer Wirkung unterstützen.
- Stressmanagement: Meditation, Atemübungen oder kleine Pausen im Alltag helfen, die Effekte von Adaptogenen zu verstärken.
Wichtig ist auch die richtige Dosierung. Adaptogene wirken am besten, wenn sie regelmäßig und in abgestimmter Menge eingenommen werden. Bei bestehenden Erkrankungen, der Einnahme von Medikamenten oder Unsicherheiten sollte man die Anwendung mit einer Fachperson besprechen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Fazit
Adaptogene wie Reishi, Schisandra und Triphala unterstützen den Körper auf mehreren Ebenen gleichzeitig. Sie helfen dem Stresssystem, dem Immunsystem, den Organen und dem Gehirn, im Gleichgewicht zu bleiben. Mit ein bisschen Routine und gesunder Lebensweise lassen sich so langfristig Energie, Widerstandskraft und Wohlbefinden auf natürliche Weise fördern.
Quellen
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